Virtueller Modellbau
Hanjo Hunger - Architekt

Er hat entworfen, geplant und gebaut. Doch beim virtuellen Modellbau ist er geblieben.
Film ab: Eine Türe öffnet sich. Ein gigantisches Foyer zoomt heran. Die Kamera fängt eine halbrunde Eingangstheke ein, dann einen gläsernen Aufzug. Jedes Detail ist deutlich zu erkennen, die Wandbekleidung aus Marmorplatten, das satinierte Glas der Aufzugwände, die Holzmaserung der Türen. Das Haus auf dem Bildschirm sieht aus wie echt. Virtueller Modellbau – so nennt sich die Kunst, ein Gebäude photorealistisch zu zeichnen und zu präsentieren. Eine ideale Möglichkeit, sich Lichtwirkungen vor Augen zu führen und Bauherrn von den eigenen Projektvorstellungen zu überzeugen. Und eine Leidenschaft, die den Nürnberger Architekten Hanjo Hunger seit beinahe 15 Jahren nicht mehr los lässt.
Für ihn ist diese Arbeit ein Vollzeitjob, keine Tätigkeit für Zwischendurch. »Man muss am virtuellen Modellbau dranbleiben. Es genügt nicht, sich nur einmal pro Woche oder Monat an den Computer zu setzen, um gute Ergebnisse zu produzieren. Das ist wie jede Leidenschaft, man muss sie pflegen, sonst stirbt sie.« Im Do-it-yourself-Verfahren erlernte der Experte 1994 das Programm ARCHICAD, während er (mit den Architekten Haushoch) gleichzeitig für die Architekten Dürschinger und Biefang die Werkplanung der Polizeidirektion in Fürth übernahm.

Als das Büro im Wettbewerb um den Neubau der Nürnberger Versicherung den 1. Preis gewann, waren plötzlich nicht mehr nur 2D-Pläne, sondern photorealistische Präsentationen gefragt. Das war der Startschuss für Hungers Karriere als virtueller Modellbauer. »Solch ein gigantisches Projekt ist natürlich schwer zu übertreffen«, sinniert der Planer heute.
Visualisierungen von Wohnanlagen oder Büros – für andere eine enorme Herausforderung – sind für den Profi fast schon Banalitäten. Sein aktuelles Projekt allerdings gehört zu den Aufträgen, die selbst den ausgebufften Modellbauer Hunger juchzen lassen: das HOB-Center im Funpark von Playmobil, ein Entwurf des Architekturbüros Jörg Spengler.
Playmobil ist ein seit Generationen in Zirndorf ansässiges Privatunternehmen. Vor etlichen Jahren erwarb der heutige Besitzer Horst Brandstätter ein sehr großes Betriebsgelände und ließ dort zuerst eine neue Verwaltung errichten. Weil er seinen Kunden jedoch außer Produkten zum Mitnehmen auch noch Spielvergnügen ad hoc bieten wollte, wandelte er das Terrain sukzessive in einen Freizeitpark um.

In dem sogenannten Fun-Park warten inzwischen eine Abenteuerlandschaft mit lebensgroßen Playmobil-Figuren und -szenen, wie etwa eine Burg und ein Abenteuerschiff auf vergnügungssuchende Kinder und ihre Eltern. Und weil in Deutschland das schlechte Wetter Outdoor- Aktivitäten immer wieder unmöglich macht, beauftragte Brandstätter zuletzt den Bau einer Halle, in der seine Kunden sich ganzjährig vergnügen können.
Das Gebäude, eine große Muschel aus Stahl und Glas, sollte den Kindern Schutz vor Nässe oder Kälte bieten, ohne ihnen das Gefühl zu rauben, unter freiem Himmel zu toben. Darüber hinaus sollte das Gebäude Gastronomie beherbergen und Raum für unterschiedliche Veranstaltungen bieten. Offene Bars und Theken, einen Blumengarten mit Bierausschank und diverse kleine und größere Veranstaltungsräume sowie eine Bühne auf der Hauptebene wurden in die Planung integriert. 4.500 Quadratmeter groß ist dieser Indoor-Fun- Park, genannt HOB-Center nun geworden, der ohne Klimaanlage auskommt und sich stattdessen mit Hilfe riesiger Pflanzflächen und Bäumen selbst klimatisiert. Die rückwärtige Front bietet Platz für eine Driving Range, die zum angrenzenden Golfübungsplatz gehört.
Angegliedert an die Außenanlagen erstreckt sich die an eine Shellmuschel erinnernde Halle über verschiedene Geländeebenen des hügeligen Grundstücks. Wie die Finger einer Hand spreizen sich die Hauptachsen vom Zentrum ab. Die Bühne erstreckt sich ganz unten, die Spielflächen, Bars, Restaurants und Zuschauertribünen nehmen die weiter oben gelegenen Ebenen ein. Terrassenartige Balkonanlagen dienen sich für individuelle Veranstaltungen an. Teilbereiche des seit vier Jahren in Bau befindlichen Komplexes wurden bereits eröffnet. So der Blumengarten mit Bierausschank oder der überdachte Abenteuerspielplatz. Im Herbst 2005 soll die gesamte Anlage in Betrieb genommen werden.
Wie es dort dann ausschauen wird, hat Hunger bereits am Computer überprüft. »Ich habe zum Beispiel den Blumengarten bei Nacht dargestellt, um zu zeigen, welche Stimmung vorherrscht«, erzählt er. Abschnitt für Abschnitt visualisierte der Architekt das Gebäude, um dem Bauherrn die Wirkung der einzelnen Details vor Augen zu führen. Zum anderen aber auch, weil der organische Bau so verzweigt angelegt ist, dass man viele Anschlüsse nicht einfach im Schnitt und Grundriss lösen konnte. Selbst das von Brandstätter im Maßstab 1:20 in Auftrag gegebene realistische Modell genügte oft nicht für die Klärung.

So löste Hunger in 3D komplizierte Details wie die Anschlüsse der Stahlträger und Glaselemente. »Zusammen mit dem Statiker haben wir am Computer getüftelt, um die Halle in eine lichtdurchlässige Konstruktion zu verwandeln«, erzählt er. Doch nicht nur Stahlbauer und Fassadenunternehmen nutzten die Dienste des virtuellen Modellbauers. Auch Innenarchitekten, Beleuchtungs- und Landschaftsplaner sowie Ladenbauer arbeiten mit ihm zusammen. Für sie zeichnet Hunger Fliesen und Glaswände, Theken und Stühle, Bäume und Blumen. Findet er in seiner umfangreichen Bibliothek keine geeigneten Texturen und Textelemente, konzipiert er sie neu. Wo die passenden Werkzeuge fehlen, improvisiert er.
»Wenn man die vom Programm bereit gestellten Tools nur für das nutzt, wofür sie laut Anweisung dienen, macht man es sich zu schwer«, weiß der CAD-Experte. »Man muss auch einmal in die Trickkiste greifen.« Etwa bei Fugen in Bodenbelägen: Statt mühsam Fliese um Fliese zu zeichnen, greift er in diesem Fall zum Wandwerkzeug und konstruiert damit 1 mm hohe und 1 mm dicke Fugen. Das Ergebnis ist das Gleiche.
Hanjo Hunger Architekt
Lorenzerplatz 5 I
90402 Nürnberg
www.hanjohunger.de
Das Büro Hanjo Hunger wird betreut durch:
Graphisoft Center Nürnberg
Herr Markus Denzlinger
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90443 Nürnberg
Telefon: 0911/723056
Telefax: 0911/7230588
Email: info@graphisoft-nordbayern.de
Web: www.graphisoft-nordbayern.de

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